Generation 11.0

Eine Ausstellung der Tagträumenden.

Aktive Ausstellungsgestaltung und -beteiligung ist wichtiger Bestandteil des bildnerischen Schwerpunktes im ART-ORG St. Ursula: Wir durften uns an Ausstellungen beteiligen, wie  beispielsweise zum Thema „Sünde“  in der Residenzgalerie und zu „Ansichtssachen“ im Salzburg Museum. Wir kreierten Ausstellungen zu „Eat and Meat“ bei Scios Specereyen und die „Individualithek“ in der Aula des Mozarteums. Seit 2016 finden von Schülerinnen und Schülern gestaltete Jahresausstellungen in unserer Schule statt.
Es war uns eine besondere Ehre und Freude im Rathaus, in diesem außergewöhnlichen Ambiente, ausstellen zu dürfen. Die Textfragmente an den Wänden bilden die Grundgedanken des ART-ORG ab und eröffnen den Dialog zwischen den BetrachterInnen und den Werken.

„Wir sind Tagträumende“, empfinden wir.
Tagträumen inmitten des Schulalltags. Räume zum Träumen erobern. Träume denken – von der Vergangenheit, von der Gegenwart, von der Zukunft.
Hinausdenken.
 

Als im Jahr 2008, also vor elf Jahren, das ART-ORG Gestalt annahm und der musikalische Schwerpunkt um den der Darstellenden und der Bildenden Kunst erweitert wurde, entstanden auch die Kreativ- und Kunstwochen für die 6. und 7. Klassen. Diese werden in den Monaten davor inmitten des Schulalltags entwickelt und geplant. Hier werden Träume erdacht. Vom Menschen und der Natur, von Göttinnen und Göttern, von Mythen und Verwandlungen. Der Werkhof Bistrica in Kärnten und die Villa Grassina nahe Florenz schaffen dann – fernab des Schulalltags – Freiräume, die Raum zum Träumen und Raum, um diese Träume im Machen wahr werden zu lassen, bieten.
Die Themen sind weitgefasst und den Projekten sind keine engen Grenzen gesetzt – Zeichnung und Aquarell, Gouache und Ölmalerei, Mixed-Media und inszenierte Fotografie, Video und Animation. Arbeiten in der Gruppe oder alleine – bloß mit sich und dem Material. Einen Ausschnitt des Weges – vom Traum über das Machen bis zum fertigen Bild – findet sich auf unserer „Ideenleine“, wo Seiten aus Skizzenbüchern ausgestellt wurden.

Wir sind „Internetopfer“, sagen die Alten.
 Malend Ikonen erträumen. Zeichnend Bilder verlangsamen. Botschaften generieren. Dialoge eröffnen. Bildend in Tagträume abtauchen. Gemeinsam. Real.
 

Vorbilder spielen im bildnerischen Arbeiten eine große Rolle. Einerseits Vorbilder der „Alten Kunst“, aber mehr noch Bilder, die jederzeit weltweit verfügbar sind und uns über Instagram und andere Plattformen beeinflussen. Das war auch die Inspiration für den Ausstellungstitel: „Generation 11.0“.  Schon in den 1970er-Jahren wurde die KünstlerInnengeneration um Cindy Sherman und Robert Longo in einer Ausstellung mit dem Titel „Pictures“ unter dem Aspekt zusammengefasst, dass dies die erste Generation war, die durch mediale Bilder geprägt war. Dieser Titel wurde just im Frühsommer 2009, also in unserem ersten Jahrgang, retrospektiv um den Begriff „Generation“ im Ausstellungstitel „Pictures Generation“ erweitert.
Wenn man die Rolle der neuen Medien in unserer Wahrnehmung betrachtet, kann man heute getrost von uns als der „Generation 11.0” sprechen – mit einem kleinen Seitenblick auf die Dauer des Bestehens des ART-ORG. Doch dieses Ausgehen von medialen Bildern führt keineswegs zu platten Kopien. Die Arbeiten zeigen, dass das von Begeisterung geprägte Malen von Ikonen und das Verlangsamen von Bildern im Zeichnen Neues und Eigenes hervorbringt. Indem wir an Vorbilder anknüpfen, erkennen wir uns selbst neu, generieren Botschaften und eröffnen Dialoge.

„Wir werden alles besser machen“,
sagen wir.
Manchmal aufwachen im Hier und Jetzt. Sich ein Bild machen. Wesentliches zeichnen. Sich wandeln. Erwachsen.
Mensch? Natur? Welt? Kosmos? Ich? Du? Beziehungen und Bezüge?
Sehen üben. Nichts übersehen.

Es ist eine Fähigkeit, im Hier und Jetzt durch das Zeichnen Wesentliches zu erfassen. Diese Fähigkeit zu erlernen, ist ein wichtiger Aspekt der Bildnerischen Erziehung im ART-ORG. Und alles, was man erlernen möchte, muss man üben. So werden wir regelmäßig dazu aufgefordert, auch außerhalb der Schulmauern und des schulischen Alltags zu zeichnen, zu fotografieren, (uns) zu bilden. Sei es auf der Straße, in der Natur, vor Bildern oder einem realen Modell. Die bildnerische Arbeit soll uns begleiten und außerhalb – oder vielleicht gerade innerhalb – der schulischen Zeit- und Raumgrenzen auch ein anderes Denken wachsen lassen. Ein Denken jenseits des rein Kognitiven. Dieses Erfassen lehrt und prägt uns in der Gegenwart und für die Zukunft. Und es kann in Retrospektive ein Tagebuch, ein Einblick in unser „Sich-Wandeln“ und „Erwachsen“ sein. Betrachten Sie mit uns diese Werke, in denen wir uns – was wir sind, was wir waren und was uns beschäftigt – widerspiegeln.
Träumen Sie mit uns.

 

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